Kampf- und Fluchtatmung im Dschungel des Lebens

Gefahr – Adrenalin – Stimulierung des Sympathikus – Muskelanspannung, Beschleunigung von Herzschlag und Blutdruck, Erhöhung der Atemfrequenz, Schweißaussonderung, Verlangsamung der Verdauung = Bereitschaft für Kampf und Flucht.

Oh nein ich beschreibe hier keinen Evolutionsprozess aus der Steinzeit

Dieser Mechanismus ist im heutigen Großstadtdschungel ständig aktiviert. Unsicherheit z.B. in Beruf, Beziehungen, Familie, oder auch Wertesystem, Leistungsdruck, Entfremdung zur Arbeit aber auch mangelnder aktiver! Freundeskreis erhöhen das Stress-Potential.

Reptilienhirn, Kampf- und FluchtatmungSie sehen oder hören etwas Bedrohliches und binnen Millisekunden sind Sie reaktionsbereit. Das macht durchaus Sinn, wenn Sie sich z.B. vor einem körperlichen Angriff schützen müssen. Nur, unser Körper reagiert auch genauso bei Auseinandersetzungen im beruflichen Alltag, wenn z.B. ein Chef seine gute Kinderstube vergisst und sich mit lauter, wütender Stimme an Sie wendet.

Wenn wir uns also bedroht fühlen, wenn wir unter Druck gesetzt werden, reagiert automatisch unsere innere Schaltzentrale und schaltet auf Kampf oder Flucht. Die Schaltzentrale – auch Reptilienhirn genannt – ist der älteste und tiefliegendste Teil unseres Gehirns. Natürlich wäre es viel vorteilhafter, wenn wir in solchen Situationen entspannter und gelassener reagieren würden. Aber unser vegetatives Nervensystem reagiert einfach unglaublich schnell.

Das alles hat Auswirkung auf unsere Körperfunktionen wie: Blutdruck, Herztätigkeit, Blutzusammensetzung, Verdauung, Muskelspannungen, Immunsystem, Hormonstatus, Schlafzyklus – ich könnte die Liste hier noch fortführen.

Die Folge sind aber auch falsche Atemgewohnheiten!

Spüren Sie doch mal in der nächsten stressigen Situation in sich hinein. Wo steckt da Ihre Atmung; entspannt im Bauchraum? Wohl kaum.

In der Regel kommt der Atem nicht über den Brustraum hinaus. Das ist auch oft im Coaching, in der therapeutischen Arbeit und bei der Selbstreflektion in der Supervision zu erleben. In dem Moment, wo traumatische Erlebnisse und andere belastende Situationen geschildert werden ist der Atem alles andere, nur nicht entspannt.

„Atem ist eine führende Kraft in uns, Atem ist Urgrund und Rhythmus des Lebens, Atem – ein Weg zum Sein“, so Prof. Ilse Middendorf, Begründerin des Erfahrbaren Atems.

In der Tat können wir über unseren Atem sehr leicht Einfluss nehmen auf die zuvor geschilderten Körperfunktionen. Yoga, Meditation und Herzkohärenztraining sind bereits fester Teil meines Lebens und meiner Arbeit. Jetzt wollte ich mich einmal ganz gezielt dem Atem widmen.

Der Weg führte mich zum Ilse-Middendorf-Institut für den Erfahrbaren Atem. Im Hinterkopf der Gedanke, dort quasi eine „ to do Liste“ des Atems an die Hand zu bekommen, die ich dann in meine Arbeit einbinden kann. Mit diesem Gedanken war ich nicht allein.

Die Erfahrung war dann eine ganz andere. Ich fühlte mich am ersten Tag auf mich allein zurückgeworfen. Hier geht es nicht um das Erlernen einer bestimmten Technik; also einer bewussten Steuerung des Atems. Nein, es geht darum, den Atem kommen zu lassen, ihn zuzulassen und bewusst dabei wahrzunehmen, sich selbst zu spüren. Immer wieder sich sammeln und spüren, empfinden.

Was damit gemeint ist, hat Ilse Middendorf in folgendem Satz zusammengefasst: „Ich lasse meinen Atem kommen, lasse ihn gehen und warte, bis er von selbst wiederkommt.“

Sie glauben, das ist einfach? Im Grunde schon, in der Praxis doch eher nicht. Eine Opernsängerin beendete einen Seminartag mit den Worten: „So, für heute habe ich genug geatmet. Ich bin total erschöpft.“

Leichte fließende Körperbewegungen, wie eine Reise durch alle Körperregionen, dann verbunden mit der Sammlung an einem bestimmten Punkt z.B. unterer Rücken –  Atmung wahrnehmen.

Wenn Sie jemand auffordert, Ihre Hände dort hinzulegen, wo Sie Ihre Atmung wahrnehmen, dann legen Sie sie in der Regel auf den Brustkorb und den Bauch, oder?

Atem lässt sich  aber auch im Rücken spüren, in den Schultern. Jedes Körperteil, was auf diese Weise angesprochen worden ist, Aufmerksamkeit bekam, reagierte mit fühlbarer Entspannung, ohne jede Anstrengung. Das Gefühl, räumlicher in uns zu werden ist unglaublich befreiend. Es ist fast so, als ob man mit seinem Atem mehr Raum einnimmt, als mit dem eigentlichen Körper.

Ein angstfreier Lernraum, kein Leistungsanspruch, Achtsamkeit, Sensibilität aller Anwesenden – das ist die großartige Chance, sich (wieder) spüren zu lernen. Atmen kann dabei tiefe Emotionen frei setzen – ein Geschenk.

Ich konnte viele Inspirationen für mich, aber natürlich auch für meine Arbeit als Coach mitnehmen. Einiges davon wird sicher auch in mein Seminar „RELAX 2.0 – der meditative 2. Advent“ einfließen (sie wissen ja, und plötzlich ist Weihnachten)

Anke Mehrholz

 

Mehr zum Erfahrbaren Atem finden Sie hier: Ilse Middendorf Institut für den Erfahrbaren Atem

 

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  • Durch diesen Artikel inspiriert habe ich mich kurz entschlossen zum Seminar „Der erfahrbare Atem“ im Institut Middendorf angemeldet.
    Ein spannendes und erfahrungsreiches Wochenende erwartete mich.
    Dieses Seminar ist eine Bereicherung in vielen Lebenssituationen. Leichtigkeit durch Bewegung und Dehnung in Kombination mit fliessendem Atem brachte Entspannung, Ruhe, Aufrichtung und ein faszinierendes Körpergefühl.

    Ich hatte anderes erwartet und eine große Bereicherung erfahren.