Die Glücksformel – weniger Geld, mehr Glück

„Geld ist nicht Alles“ – Hand aufs Herz, diesen Spruch hat doch sicher ein jeder von uns schon einmal ausgsprochen bzw. gedacht, oft auch im beruflichen Kontext.

Aber oft verbleiben wir weiter im Hamsterrad. Hoffen auf eine Gehaltserhöhung, Beförderung oder eine höhergestellte Position im Unternehmen. Genau DAS wird dann die gerade fehlende Motivation bringen und endlich die schon seit langer Zeit ausstehende Anerkennung der eigenen Arbeit zeigen.
Nur mal angenommen, es gäbe dann einen neuen Titel oder ein höheres Gehalt. Wie lange, glauben Sie, hätte das tatsächlich eine Motivationskraft in sich oder wird es überhaupt eine Motivationssteigerung zur Folge haben? Unzufriedenheit im Job ist an der Tagesordnung.

„pressesprecher“ Ausgabe 3/18

Einer Umfrage in Deutschland im Auftrag des Personaldienstleisters Manpower Group zufolge würden 46 Prozent der Angestellten ihren Job innerhalb der nächsten zwölf Monate durchaus wechseln – die Hauptmotivation ist eine Position mit besserer Bezahlung! (pressesprecher, 3/18)
Unter dem Titel „Alles auf Anfang“ hat sich das Magazin für Kommunikation „pressesprecher“ damit auseinandergesetzt, wie es ist, den Mut zuhaben, etwas Neues zu wagen. Im Fokus auch der berufliche Neustart.

Jetzt haben Sie aber einen gut bezahlten Job, der auch so weitestgehend sicher ist. Vielleicht haben Sie sich auch schon davon gelöst, Ihren Selbstwert von äußeren Faktoren, wie Titel und Gehaltserhöhungen abhängig zu machen. Durch Sonderaufgaben oder gesteigerte Perfektion versuchen Sie, Ihren Job auszufüllen bzw. aufzuwerten.
Doch selbst das führt zu steigender Unzufriedenheit, Verlust von Lebensfreude und auch dem Verlust von Leistungsfähigkeit – BOREOUT.

Ein Syndrom, das hinter der intensiven Betrachtung seiner Gegenseite, dem Burnout, in der Wahrnehmung noch weit zurücksteht. Das zeigt sich zum Beispiel in dem abgebildeten Interview (unten stehend), bei dem die Redaktion scheinbar davon ausging, dass es sich bei dem Wort „Boreout“ um einen Schreibfehler handelte und kurzerhand ein „Burnout“ daraus machte. Dem möchte ich zugute halten, dass die Krankheitssymptome tatsächlich ähnlich bis gleich sind.

Vor einigen Jahren stand ich genau an diesem Punkt – mein Sicherheitsbedürfnis geriet immer stärker in Konflikt mit dem Gefühl, dass ich in meinem Beruf fehl am Platz war.

Ich hatte längst schon begonnen meine eigentlichen Fähigkeiten und Stärken mit Ausbildungen im Bereich Coaching  und Psychotherapie zu kanalisieren; in der Hoffnung, damit wieder mehr Zufriedenheit zu erlangen. Doch im Grunde hat es den Konflikt weiter verstärkt, denn genau das hat mir gezeigt, in welchem Bereich ich die eigentliche Berufung und vor allem mehr Sinnhaftigkeit erlebe und sehe.

Doch mir fehlte der Mut, in die Veränderung zu gehen. Es gibt fast schon eine Garantie dafür, dass dann am Ende der Körper die letzten Impulse setzt, um die notwendigen Schritte zu gehen. Oft ein sehr anstrengender Weg.

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“; ein Zitat, das dem österreichischen Schriftsteller Friedrich Halm (gest. …1871) zugeschrieben wird. Ja, am Anfang braucht es Mut! Es braucht gerade dann Mut, wenn sich statt sanfter Wege, wie Teilzeit, Sabbatical o.ä. ein völliger Neuanfang als  Lösung zeigt.

Zum Abschluß des Interviews wurde ich gefragt, ob es etwas gäbe, womit man mich bzw. meinen Weg zitatmäßig verbinden könne. Das war dann folgendes Zitat: „Ich verdiene zwar halb soviel wie früher, bin dafür aber doppelt so glücklich.“ Diese Gleichung kann genau dann aufgehen, wenn Sie auf dem richtigen, IHREM Weg unterwegs sind.

„… Mein Ausstieg wurde zu einem wunderbaren Selbstläufer – weil ich die richtige Entscheidung getroffen habe.“, das unterschreibe ich so voll und ganz.

NEUANFANG

Der Einstieg in den neuen Weg über den Bereich Psychotherapie war an sich sehr klar vorgezeichnet.
Das ist auch der Bereich, aus dem ich für mich persönlich sehr viel Kraft und Bestätigung ziehen kann.

 

 

Ist man dann aber losgelaufen, zeigen sich oft ganz unerhofft neue Wege und damit parallel laufende berufliche Möglichkeiten. „Es bedarf nur eines Anfangs. Dann erledigt sich das Übrige“ (Sallust)

Das Übrige erledigte sich bei mir durch einen Impuls aus der Arbeit in meiner Praxis. Plötzlich stand die Frage im Raum, ob ich mir nicht vorstellen könne, auch als Grundschullehrerin zu arbeiten; gerade im Hinblick auf Inklusion und die Zunahme an emotionalen und sozialen Schwierigkeiten der Kinder.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie wichtig es sein kann, wenn es außerhalb des familiären Umfeldes Personen gibt, die dich so annehmen können, wie du bist, die deine besonderen Fähigkeiten sehen und auch fördern. Für viele Kinder ist das die einzige Möglichkeit, eine gewisse Resilienzstärke aufzubauen. Aus diesem Grund war es für mich klar, diesen Impuls aufzugreifen. Immer dann, wenn sich solche Ideen dann ganz ohne Druck in eine Lösung verwandeln, sind sie genau richtig; finde ich.
Jetzt arbeite ich bereits seit 1 1/2 Jahren auch als Grundschullehrerin. Mal ganz abgesehen von einer notwendigen kritischen Auseinandersetzung mit unserem Bildungssystem und auch im Hinblick auf die große Gefahr der Überlastung im Beruf des Lehrers bin ich ehrlich dankbar über den Seiteneinstieg in diesen Beruf.

Es ist so ein schönes Gefühl, morgens z.B. zur Schule zu fahren, aus dem Auto auszusteigen und schon von weitem die Stimmen „meiner“ Kinder zu hören, die rufen „Frau Mehrholz ist da“. Dann kommen sie quer über den Schulhof gerannt. Laufen mir in die Arme und schon werde ich überschüttet mit den kleinen und großen Sorgen und Nöten oder auch dem aktuellen Wetterbericht und und und. Das lässt mich fast jeden Tag schon mit Gänsehaut und Dankbarkeit starten.

Oder nehmen wir mal den Bereich Sport. Es ist so faszinierend, wie die kids mit den Möglichkeiten aus Mentaltraining bzw. Hypnocoaching ihre Leistungen verbessern; „soweit bin ich ja noch nie gesprungen“, „soviele Runden habe ich noch nie geschafft“.

Kindern Kniffe und Tricks zu vermitteln, wie sich Ängste vorm Gedichtaufsagen oder Referathalten verwandeln lassen, ist einfach toll.

Oder nehmen wir die Kinder, mit einer Diagnose zu einer Lernschwäche. Sie tragen so oft einen massiven Glaubenssatz in sich, etwas nicht zu können. Es ist dabei so bereichernd, gerade diesen Kindern zu zeigen, welche Ressourcen sie doch haben, dass es soviel mehr zwischen schwarz und weiß gibt, dass auch langsam lesen und rechnen okay ist, dass Mathematik unglaublich viel Spaß machen kann ….

Dann sind da noch die Kinder, deren „Lebensrucksack“ schon so gefüllt ist mit Erfahrungen, die keinem Kind zu wünschen sind. Kein Geld kann aufwiegen, wie es ist, diesen Kindern auch in Phasen emotionaler Ausbrüche Halt zu geben, ihren Raum (frei) zu halten, Ihnen zu zeigen, dass sie gut sind, so wie sie sind. Genauso erfüllend ist es auch, wenn ich  betreffende Eltern dafür öffnen kann, den Blick auf eigentliche Ursachen zu lenken und in diesem Zusammenhang auch Hilfen anzunehmen.

All das gibt mir immer und immer wieder das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Und ja, das heißt in diesem Zusammenhang auch – weniger Geld, mehr Glück.

„Haben sie es bereut, so lange in ihrem alten Beruf geblieben zu sein?“, so die Abschlußfrage. Meine Antwort: NEIN.

Alles hat seine Zeit und scheinbar braucht es manchmal diesen berüchtigten Leidensdruck, um bislang undenkbare Schritte zu gehen. Außerdem profitiert meine neue Arbeit an vielen Stellen von den gemachten Erfahrungen.

Heute genieße ich es in vollen Zügen,  aus meiner Komfortzone heraus gegangen zu sein und den Sprung in die Freiheit gewagt zu haben.

Anke Mehrholz

__________ das Interview __________

 

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