Mut zur Wut – Tanz der Emotionen

Mut zur Wut – Tanz der Emotionen

Ich komme nicht daran vorbei – am Reptilienhirn. Aber da der Fokus heute auf den Emotionen liegt, nennen wir es doch mal emotionales Gehirn. Die Informationsverarbeitung ist in diesem Bereich eher primitiv dafür aber extrem schnell und damit für elementare Überlebensreaktionen ausgelegt. Sie können sich diesen Teil unseres Gehirns wie einen Kommandoposten vorstellen, immer aktiv. Ständig treffen Informationen aus verschiedenen Körperbereichen ein. Darauf wird dann reagiert, indem unser körperliches Gleichgewicht kontrolliert und ausbalanciert wird. Die Kommandos gehen Emotionen. limbisches System, emotionales Gehirndann an die Atmung, den Herzrhythmus, den Blutdruck, den Appetit usw.

Aus diesem Blickwinkel sind unsere Emotionen nichts anderes als das bewusste Erleben eines großen Zusammenspiels physiologischer Reaktionen, die die Aktivität der biologischen Systeme des Körpers überwachen und ständig den Notwendigkeiten der inneren und äußeren Umgebung anpassen. (A. Damasio „Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins“)

Was heißt das jetzt?

Das emotionale Gehirn kennt unseren Körper weitaus besser als das kognitive Gehirn. Das zeigt, warum wir oft sehr viel leichter über den Körper als über die Sprache an die Gefühle in uns heran kommen.

Egal mit welchen Methoden wir herangehen, um dabei zu unterstützen, die unterschiedlichen Themen und Herausforderungen des Lebens „aufzuarbeiten“ und  zu meistern. Wirklich nachhaltig ist es nur, wenn auch die Gefühle und der Körper mit ins Boot genommen werden.

Auf den Punkt gebracht: Ohne Körper & Emotion ist alles nichts!

Der Weg führt über TRAUER/TRAURIGKEIT zur WUT und erst dann kann man wirklich in die VERGEBUNG/MITGEFÜHL kommen.

Mich erstaunt dabei immer wieder, dass heute von den Krankenkassen noch immer nur Therapiemethoden zur Abrechnung zugelassen sind – Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Analyse – die Ihren Hauptfokus auf der sprachlichen Auseinandersetzung haben. Damit gelingt es aber oft nicht, den Schmerz, die Traurigkeit und die Wut noch einmal zu durchleben, die mit den zugrunde liegenden Ereignissen verbunden sind. Da sind unsere Nachbarn Österreich und Schweiz bereits viele Schritte weiter!

Ich bin auf meinem eigenen Weg ab und zu gefragt worden, „Waren Sie eigentlich jemals wirklich wütend?“. Und glauben Sie mir, Gründe dafür hätte es genug gegeben. Die Antwort war, NEIN. Genau das war aber auch der Grund, warum einige Themen immer noch wie Teer auf meinem Weg klebten, obwohl ich Ihnen das Thema selbst bis ins Detail reflektiert hätte darlegen können.

Wie also kommt man ran an die Wut? Wir sind doch immer schön kontrolliert, angepasst, oder?

WUT zulassen, WUT zeigen, WUT herauslassen – das braucht Raum, einen geschützten Raum und vielleicht auch etwas herausfordernden Begleitschutz.

Mut zur Wut – Tanz der Emotionen  Ja Sie lesen richtig. Hier geht es um Tanzen als Weg zum Gefühl.
Der frei improvisierte Tanz dient dem individuellen Ausdrücken, Verstehen und Verarbeiten von Gefühlen und Beziehungen. Tanz steigert die Körper- und Selbstwahrnehmung, führt zu einer Erweiterung des Bewegungsrepertoires und fördert den authentischen Ausdruck durch die Integration des Unbewussten. Tanz ermöglicht die Integration von körperlichen, emotionalen und kognitiven Prozessen – so die Theorie.

Das Unvorhergesehene, Nichtvorgeplante geschehen zu lassen – das ist freies Tanzen. Die Bewegung darf völlig unkontrolliert aus Impulsen heraus entstehen. Es darf das entstehen, was entstehen will.

Es existieren absolut keine Bewegungsvorgaben. Sie können einfach Ihrem Empfinden und Erleben in der Bewegung Ausdruck geben.

Das wirkt bei den ersten Malen meist schwierig, fast schon erschreckend. Ich erlebe das z.B. auch bei den Dynamischen Meditationen, wo freier Tanz und Bewegung ja einen großen Anteil haben. Einige fühlen sich durch die plötzliche Freiheit im Handeln und Bewegen unsicher und wissen nicht, was sie tun sollen.

Eigentlich ist es etwas ganz wunderbares, dass die von außen kommenden Zwänge, Schranken und Verhaltensvorgaben aufgehoben sind. Dennoch fühlt sich der eine oder andere nicht wirklich „frei“. Erkennen Sie es? Beschränkungen und Grenzen im Alltag setzen wir uns häufig selbst.

DSC05635Ich gebe zu, wenn Sie sich Emotionen ertanzen liegt eine große Herausforderung im Abschalten der Selbstkontrolle – Kopf „abschalten“. Aber genau das ist der Zugang zum Unbewussten und damit notwendig, um vergessene, unterdrückte, verdrängte Gefühle, Szenen, Erinnerungen und emotionale Bewegungen wieder an die Oberfläche zu holen. Der Körper tanzt!!!

 

Wenn diese Hürde genommen ist, versichere ich Ihnen, gibt es kein Halten mehr für die Gefühle – Trauer, Wut, Schmerz, Freude, Liebe, Stärke, Kraft, Weiblichkeit, Männlichkeit, Freiheit, Leichtigkeit …

Können Sie sich so richtig kraftvolle afrikanische Rhythmen in Ihr geistiges Ohr zaubern? Das ist Musik von so unglaublicher Kraft und mit Raum für Emotionen pur, der Höhepunkt der Tanzwelle, in die sich gerade hinein begeben. Sie springen, stampfen, machen sich groß, wie eine „Kriegerin“. Sie nehmen Position ein, voller Kraft, Selbstvertrauen und Selbstwert. Der Boden schwingt, bebt von Ihren wutgeladenen Schritten. Das hier, das ist Ihr Platz! Niemand darf Sie verletzen, weder mit Worten noch körperlich! Niemand darf Sie missbrauchen! Eine Krankheit wird Ihnen nicht den Lebensmut nehmen. Das was Sie jetzt hier in Ihr Herz lassen ist Lebensfreude, Vertrauen und Zuversicht. Das kann Tanzen sein!

Anke Mehrholz


TANZINSPIRATIONEN – Man muss das Leben tanzen (Nietzsche)

Herzlichen Dank an Jenny Bär (Tanztherapeutin) für die Inspiration und Wegbereitung über die „woman´s wave“ hin zu vielen neuen Tanzerlebnissen und wunderbaren Begegnungen.

5rhythms
OPEN FLOOR
Movement Medicine

 

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  • Liebe Anke,
    du sprichst mir mit diesem Blog in vielen Dingen einfach aus der Seele: Ganz oft erlebe ich es in der Psychosomatischen Klinik wie viel die paar Stunden Tanztherapie ausmachen und dort gehen wir noch nicht einmal besonders tief, sondern erfahren „nur“ den Körper in Bewegung. Und wie oft fließen schon allein beim achtsamen wahrnehmen im Gehen, im Atmen die ersten Tränen. Ich bin fest davon, dass unsere Emotionen wie auch unsere Erfahrungen in unserem Körper gespeichert sind und auch nur dort geheilt werden können.“Ohne Körper & Emotion ist alles nichts!“ Da hast du vollkommen recht.Und leider, leider sehen die Krankenkassen (& selbst die Kliniken) es als „Pipifatz“ an, weil es nicht „evidenzbasiert§ ist. Allein dieses Wort lässt mich wütend werden. Aber/ Und wenn diese Bürokraten schon einmal in die Gesichter der Menschen nach dem Tanzen, nach einer Wave, nach dem OpenFloor, nach einer Tanztherapiesitzung geschaut hätten, wüssten sie dass man da gar nichts mehr beweisen muss…(und es gibt einige evidenzbasierten Forschungsergebnisse). Es ist so klar sichtbar. Vor allem in den Bewegungen, im Gang, im Gesicht: noch mehr sichtbar nach den paar Wochen Klinik.
    Für mich ist es ein ganz großes Geschenk mit Tanz, Musik und Bewegung therapeutisch zu arbeiten und zu sehen welch Veränderung, Heilung geschieht. Und ich möchte keine Minute dieser Arbeit missen.
    Mein Traum ist, dass sich die Menschen ihre Art der Therapie selbst aussuchen könnten, egal ob es ein Heilpraktiker oder ein Diplom-Psychotherapeut ist (und dass alle vorher einen Trauma-Grundkurs nach Somatic Experience besucht haben müssten). Es gibt so viele unterschiedliche Menschen, dass vielleicht am Anfang einen Gesprächstherapie die beste Wahl ist, und danach sollte der Körper in Bewegung, Tanz, Musik eingeladen werden um die alten Wunden zu heilen.