berührt

BERÜHRT

Herausgefallen aus meiner Mitte,
kurz verloren die Balance,
festgefahren scheinen alle Schritte,
es fehlt die Leichtigkeit von Tanz.

Halt Dich fest,
sanft eine Hand mich hält.

Kaum ausgesprochen, drei Worte nur,
kommt freies Fallen in den Schmerz.
Erinnerung fehlt an vielen Stellen
und schwingt doch mit in allen Zellen,
zutiefst berührt davon mein Herz.

Halt Dich fest,
getroffen ist der Sehnsucht wunder Punkt.

Verletztheit lässt vertrauen
oft nur auf eigene Kraft.
Doch reicht die nur bedingt
und braucht an mancher Stelle,
was nur die Liebe schafft.

Momente des Gehaltenseins
öffnen sanft das Herz.
Im Hals noch fest der stumme Schrei,
ungeweinte Tränen, Wut und Schmerz.
Geht das je vorbei?

Halt Dich fest!
Hab Vertrauen!
Lass das alles los!

Halt Dich fest!
Hab Vertrauen!
Mach Dich richtig groß!

Wage kaum den tiefen Atem.
Hab Angst vor dieser Blöße.
Genau da liegt sie aber, die Balance
von Verletzlichkeit und Größe.

Drei Worte nur, mit ihrer Spur
entfalten sie die Kraft.
Lass alles los und flieg,
wie es nur Vertrauen schafft.

Schwingung der Erinnerung
aus allen Zellen rausgeführt.
Bin federleicht und im Vertrauen,
herzenstief berührt.

(Anke Mehrholz)


Pränatale und frühkindliche Traumata, aber auch Geburtstraumata hinterlassen bei den betroffenen Kindern Spuren; Spuren im Zellgedächtnis. Ein wirkliches Erinnerungsvermögen entwickelt sich oft erst in einem Alter von 3 Jahren. Doch diese Spuren sind präsent, Jahre und Jahrzehnte später noch. Zeigen sich durch diffuse Körperreaktionen bzw. auch in der Psychosomatik.

Sicher können nachfolgende Erlebnisse und auch darauf aufbauende Verhaltensmuster begleitend aufgelöst bzw. entspannt, entzerrt werden.

Doch was ist mit Erinnerungen, zu denen es keine Bilder gibt? Und doch, der Körper spricht. Hier braucht es Unterstützung, die genau das tut, mit dem Körper „sprechen“, dem Körper zuhören, eine Ausdrucksform finden für Erfahrungen, die kaum Worte haben; Erfahrungen, die eine innere Wahrheit sind.

Und es braucht Zeit! Dinge, die gesehen werden wollen, die erspürt werden wollen, die in die Lösung gehen wollen – zeigen sich genau dann, wenn sie dran sind.

Es lohnt sich so unfassbar stark, genau dann den MUT zu haben, die Zeichen wahrzunehmen und ihnen eine Stimme, einen Tanz, ein Bild, eine Musik, ein Gedicht zu geben – in den Ausdruck zu kommen, ins Loslassen zu gehen.


Danke an Marc Kornberger (https://auscultare.de/) für den Raum und das tiefe Vertrauen auf die Intuition.

Wanderung um den Großen Stechlinsee: https://www.stechlin-ruppiner-land-naturpark.de/themen/routen-touren/rundwanderweg-grosser-stechlinsee-136-km/

„MUT steht am Anfang des Handelns,
GLÜCK am Ende.“
(Demokrit)


Anke Mehrholz